298. Wiener Derby – Baustellen in Grün-Weiß

Vergangenheit

Ein Derby wieder einmal im viel zu großen Prateroval … ich kann mich eigentlich gar nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Derby dort erlebt habe. Wenn man sich die Statistik so ansieht, dann war es wahrscheinlich auch nicht erinnerungswert.

Gegenwart

Auch dieses Derby im Prater wäre schnell zu vergessen. Das Ergebnis von 0:3 gegen unsere violetten Gegner war eindeutig, haarsträubend und tut im grün-weißen Herzen weh.

Die Abwehr – Baustelle wiedereröffnet

Auf unseren neuen Trainer Peter Schöttel wartet jetzt doch mehr Arbeit als erwartet. Das die Abwehr derart schlecht agiert hätte ich eigentlich nicht erwartet. Andererseits fehlte es wohl an der Klasse der gegnerischen Teams, die doch bereits in den ersten Spielen der Meisterschaft gelegentlich auftretenden Patzer auszunutzen. Die Abwehr war gefühlsmäßig trotzdem schon stabiler in der heurigen kurzen Saison. In der zweiten Halbzeit hat wohl auch der Tausch von Kulovits gegen Drazan der Abwehr noch mehr Stabilität gekostet. Einen rabenschwarzen Tag hatte Michael Schimpelsberger. Alle 3 Angriffe, die zum Torerfolg führten, hatten ihren Ursprung oder den Abschluss auf der rechten Abwehrseite Rapids. Junuzovi? beim Tor zum 2:0 auf der rechten Ecke des Strafraums, soo lange freistehend zu sehen, ließ das kommende Tor schon erahnen. Der Ball wäre wohl auch ohne die Hilfe von Thomas Schrammel im Tor gelandet. Die Innenverteidigung mit Mario Sonnleitner und Ragnvald Soma wurden für ihre individuellen Patzer bestraft. Beide wirken derzeit stark verunsichert. Thomas Schrammel ist mir am gestrigen Spieltag eigentlich überhaupt nicht aufgefallen. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei dahingestellt.

Das Mittelfeld – laufende Baustelle

Bis auf das defensive Mittelfeld, das in der Person von Stefan Kulovits zur Pause aus taktischen Gründen den Platz verlassen musste, gibt es eigentlich keinen Spieler hervorzuheben. Harald Pichler, diesmal als zweiter Mann ins defensive Mittelfeld vorgezogen, hatte kampfstarke Auftritte in der ersten Halbzeit, ging aber in der zweiten Halbzeit, scheinbar ohne Hilfe von Stefan Kulovits mit der gesamten Defensivabteilung unter. Unser Prunkstück Steffen Hofmann »Fußballgott« kommt überhaupt nicht in Form. Woran das liegt ist von außen natürlich schwer zu beurteilen:

  • Ist der Zenit überschritten?
  • Fehlen ihm die kongenialen Mitspieler?
  • Wird er vom Trainer taktisch falsch eingesetzt?
  • Dass der Zenit überschritten ist, liegt für mich auf der Hand. So schlecht, um ihn auf die Bank zu setzen, finde ich ihn auch wieder nicht. Seine absteigende Form gilt es halt auszugleichen. Allzu steil empfinde ich seinen körperlichen Leistungsabfall auch wieder nicht. Seinen Mitspielern einen Teil der spielaufbauenden Last zu übertragen, auf dieses Ziel wird meiner Beobachtung nach schon länger hingearbeitet. Es scheint nur derzeit einfach nicht zu funktionieren. Gestern durfte Steffen Hofmann wieder auf der rechten Seite und offensiver spielen. Offensichtliche Akzente wurden dadurch leider auch nicht gesetzt. Boris Prokopi? hatte wie auch schon der davor erwähnte Michael Schimpelsberger einen sehr schlechten Tag. Es gelang ihm leider gar nichts. Negativer Höhepunkt dann noch die Rote Karte, die eine Folge des puren Frustes war. Gut das aus dieser (verständlichen) Aktion keine Verletzung resultierte. Der eingewechselte Christopher Drazan kam gar nicht mehr dazu seine Leistung zu zeigen, da die Mannschaft in der zweiten Hälfte schon nach kurzer Zeit zerfiel. Gesehen ward er kaum mehr, teilweise wurde er gar nicht oder schlecht angespielt. Der in der zweiten Hälfte für Steffen Hofmann eingesetzte Christopher Trimmel war schlicht und einfach kein Außereißer, Markus Heikkinen diente lediglich der Schadensbegrenzung, nachdem die teilweise Auflösung des zentralen Mittelfeldes (Kulovits) zur Pause die schlechte taktische Lösung des Offensiv-Problems war.

    Der Angriff – komische Baustelle

    Er muß einfach nur rein – der Ball! Das Zielwasser ist allerdings noch nicht gefunden. Chancen waren in der ersten Halbzeit da, aber sie wurden fast kläglich vergeben. Atdhe Nuhiu nur als Ballabtropfer nach einem langen hohen Pass nach vorne zu verwenden ist zu wenig. Notwendig vielleicht für eine Möglichkeit des Spielaufbaus, aber dann muss auch was nachkommen und das passiert einfach nicht. Flanken aus dem Spiel in den Strafraum, wo Adthe Nuhiu seine Größe bei einem Kopfball ausspielen kann: Fehlanzeige. Muss aber gestehen, dass ich mich gar nicht erinnern kann, ob sich so eine Situation überhaupt ergeben hätte. Deni Alar trifft einfach nicht. Wahrscheinlich ist bei ihm noch zu viel Krampf im Spiel. Aus der Vergangenheit weiß man, da hilft nur warten, bis der Kopf frei wird, bis die Automatismen wieder greifen. Ich fürchte, da hilft auch kein Schusstraining, denn dort werden, ohne den Druck eines Punktespiels, wohl sowieso alle angesagt in das linke oder rechte Kreuzeck treffen. Ein Hamdi Salihi hätte laut Interview/Medienberichten noch gebracht werden sollen. Das 0:3 machte den Plan zunichte. Salihi ist ein typischer Strafraumspieler, den man lange nicht sieht. Wie üblich ist bei solchen Spielern schwer vorherzusagen, ob er etwas gebracht hätte. Tore schießt er, Torgarant ist er auch nicht. So ist er auf jeden Fall dem Grant der Tribünen entgangen, falls er auch nicht getroffen hätte.

    Der Tormann

    Nicht unbedingt eine Baustelle, aber der Teer darüber ist noch nicht glatt gewalzt. Helge Payer kann man schwer eine Vorwurf machen, höchstens den eine unglückliche Figur darzustellen. Bei allen drei Toren machte er nicht wirklich einen Fehler. Ich unterstelle ihm mal: manchmal weiß er leider zu früh, dass nichts mehr geht und er reagiert nicht einmal mehr. Dass ihm dann von der Tribüne vorgeworfen wird, es nicht einmal zu probieren, ist dann die Folge. Vielleicht ist das auch der Grund, warum er keine unhaltbaren Schüsse mehr hält. Wer das nicht einmal probiert, kommt dann gar nicht mehr in den Genuss, einmal wieder der Held zu sein. Solide Arbeit, aber nichts Hervorstechendes.

    Tribünen Unterstützung – Baustelle ohne Absicherung

    Die fehlende Unterstützung vom Block West – mir fehlt das Verständnis aber auch der Einblick. ABER: Pfiffe zur Pause vom 1./2. Rang Sektor E (respektive Nordtribüne im Hannapi) bei einem Spielstand von 0:1 und zumindest Chancengleichheit kapiere ich überhaupt nicht. Alle Chancen das Spiel zu drehen waren noch gegeben. Warum der Mannschaft schon jetzt den verlorenen Glauben an den Umschwung zu signalisieren, entbehrt jeder Logik und auch dem Fanwesen. Schwappt die Unlust vom Block West schon auf die »Nord« über? 1 Reihe hinter mir, Gott sei Dank etwas abseits, bekommt einer der Fans fast einen Anfall, sodass man um seine Gesundheit Angst haben muss. Eine konstruktive Diskussion, die sein Sitznachbar dahinter beginnen wollte, wohl auch um den Blutdruck des Cholerikers ein wenig zu senken, halfen so gut wie gar nichts. Ärger ist OK, mit seiner Mannschaft Mitleben auch, aber wenn ich mich so reinsteigere, würde ich sicher über kurz oder lang im Spital landen. Und dieses Verhalten stellt bis jetzt nur die Spitze des Motzberges dar, der sich um mich herum auf der Nordtribüne breit macht, den es aber schon länger gibt. Da überschätzen sich wohl einige Besucher, wie wohl auch ihre Mannschaft. Bei jedem Spiel wird den eigenen Spielern ihr Unvermögen vorgehalten, wie wenn es keinen Gegner geben würde, der dagegenhält. Ja, auch bei guten Spielen. Ohne den Block West wird es keine Stimmungsmacher bei Rapid geben. Die »Nord« und sicher noch weniger die »Süd« ist nicht in der Lage das zu übernehmen. Unterstützung gibt es da teilweise nur, wenn es gut läuft. OK, das könnte man derzeit auch dem Block West vorwerfen und stimmt vielleicht auch, aber ich meine damit die Dauerunterstützung während der gesamten 90 Minuten Spielzeit.

    Die Zukunft

    Viel Arbeit aber auch der Erfolg wird sich wieder einstellen! Bis dahin die Erwartungen herunterschrauben, auch wenn es schwer fällt. Das nächste Derby ist wieder auswärts!

    Der unausprechliche Gegner

    Kurz gesagt: die Violetten haben eine starke Leistung abgeliefert! Ich denke mal, selbst, wenn wir es ihnen nicht so leicht gemacht hätten, eine Niederlage wäre wohl schwer zu verhindern gewesen, würde nicht vielleicht ihr Selbstbewusstsein während des Spiels verloren gehen. Das bezweifle ich allerdings. Wie schon in der Qualifikation zur Europaleague, wären sie wohl nach einem Rückschlag (=Gegentor) wieder zurückgekommen. An so einer Angriffsformation (Zusammenspiel des offensiven Mittelfeldes und der Stürmerreihe), wie sie die Violetten ihr Eigen nennen, muss man bei Rapid noch arbeiten.

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